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So, die Spezialnacht ist vorbei und wir von unserem Schweigegelübde bezüglich der Probe befreit. Hier also mein Bericht, der seit Mittwoch darauf wartet, veröffentlicht zu werden, wie immer seeehr lang und ausführlich.
--1. Vorgeplänkel--
Als ich um halb 11 auf den Parkplatz des Feierabendhauses einbog, war ich überrascht darüber, wie viele Autos da standen. Waren die wirklich alle für die Probe? Und alle schon so früh?
Etwas unsicher ging ich auf die Halle zu, in deren Eingang ein paar ältere Männer in Blaumännern standen, die mich neugierig ansahen. Ich fragte sie vorsichtig, ob ich schon hineindürfe.
"Wir sind nicht die Wise Guys.", war ihre Antwort. Achne. Wär mir jetzt gar nicht aufgefallen. "Die Tür ist jedenfalls offen."
Ich ging ins Foyer und auf die Türen zu. Dahinter hörte ich bereits Däns Stimme durchs Mikro. Ich öffnete die Tür einen Spalt und schaute hinein. Die Halle war nur vorne und an den Seiten bestuhlt, vor mir war also eine große freie Fläche. In der Mitte stand das hell erleuchtete Mischpult und auf der Bühne standen die Wise Guys und diskutierten mit Erik Sohn. Die Stühle waren alle leer.
"Gehen Sie ruhig rein.", bekräftigten mich die Männer hinter mir, also tappste ich vorsichtig in die leere Halle und schlich mich von hinten an Mike Steinbrecher heran, der gerade an den gefühlten 1000 Knöpfen und Reglern des Mischpultes zugange war. Einen Moment stand ich etwas ratlos da, anscheinend hatte mich niemand bemerkt. Aber ich konnte mich doch auch nicht einfach hinsetzen. Konnte ja wohl nicht sein, dass ich die erste war?
Also tippte ich Mike vorsichtig auf die Schulter. "Entschuldigung... aber dürfen wir schon rein?"
"Warte kurz..." Er griff sich ein Mikro und fragte laut in den Saal hinein. "Wir lassen die Leute erst um 11 rein, oder?"
Die Wise Guys unterbrachen sich. Dän nickte und Mike wandte sich wieder an mich. "Dann ist es jetzt deine Aufgabe, dass vor 11 hier niemand reinkommt."
Ich salutierte gehorsam und verließ peinlich berührt den Saal, in der Hoffnung, nicht allzuviel Aufmerksamkeit auf mich gelenkt zu haben. Danach postierte ich mich als frisch ernannter Türsteher vor den Türen. Bisher gab es keine Leute, die ich nicht reinlassen konnte. Wirklich komisch. Wie viele würden denn überhaupt kommen?
Nach etwa 10 Minuten trudelten dann die ersten Leute ein, die ich pflichtbewusst darüber informierte, dass erst um 11 Uhr Einlass war. Um kurz vor 11 standen dann etwa 50 Leute da, eine wirklich überschaubare Zahl. Ich war ja eh sehr neugierig gewesen, wieviele Leute überhaupt kamen. Ich ging aber davon aus, dass es mit voranschreitender Stunde voller werden würde. Um fünf nach 11 wurden die Türen von innen geöffnet und man bat uns hinein. Mein frühes Erscheinen hatte zumindest den Vorteil, dass ich einen Platz in der ersten Reihe mittig ergattern konnte. Dän stand auf der Bühne und begrüßte uns freundlich, dann ließ er kurz seinen Blick über die Menschenmasse schweifen und erklärte uns, wie der Tag ablaufen würde. "Wir proben heute die Spezialnacht. Das heißt, wir singen das Programm einmal ganz durch. Nach jedem dritten Lied gibt es eine kurze Unterbrechung, in der wir uns mit unserem Gesangscoach besprechen. Es wäre sehr nett, wenn Sie sich in der Zeit ruhig verhalten würden, denn es ist für uns sehr wichtig, alles zu verstehen, was er sagt. Sie können natürlich auch gerne ab und zu herausgehen, Toiletten sind im Foyer, aber bitte nicht während der Lieder, sondern dann in diesen besagten Pausen. Ich ziehe mich jetzt noch schnell um und dann geht es los."
Es vergingen einige Minuten, in denen ich das neue Bühnenbild studierte. Außen zwei längliche... ich assoziierte es mit Palmen, dazwischen etwas, das aussah, wie Wellen und in der Mitte ein großer Kreis, der für mich einen Sonnenuntergang darstellte. Ein romantisches Bild. Auch, wenn ich für diese Interpretation komische Blicke von meinen Begleitern erntete. Bevor das "Konzert" anfing, wurden zwei Flugzeuge auf den Kreis (Sonne klingt wirklich viel poetischer, als Kreis, find ich) projiziert.
--Erste Hälfte--
Gegen halb 12 ging dann das Licht aus und gespannte Stille legte sich über den Saal. Ich sah fünf Gestalten auf die Bühne treten, nebeneinander, dann begannen auch schon die ersten Töne von "Klassenfahrt", das eine solche Kraft ausstrahlte, dass ich richtig überrascht war. Der Schnipsel versprach nicht so viel. Aber ich sollte an diesem Abend noch lernen, wie wenig aussagekräftig diese Schnipsel doch sind. Das neue Bühnenoutfit war wie erwartet das, was auch auf dem Klassenfahrt-Cover zu sehen ist. Schick. Nach dem Lied applaudierten wir etwas schüchtern, nicht ganz sicher darüber, ob das überhaupt gewünscht war. Aber immerhin war das eine Generalprobe, also mussten wir auch möglichst realistische Grundbedingungen schaffen.
Dän begrüßte uns nach dem Lied mit einem selbstironischeen Schmunzeln zur Wise Guys Spezialnacht 2010. "Hier mache ich jetzt eine Ansage. Die mache ich jetzt aber nicht. Als nächstes kommt "Geträumt."
"Ich hab geträumt" kenne ich ja jetzt schon recht lange, höre es aber immer wieder gerne. Vor allem war schön, wie gut gelaunt und albern sie waren. Auch sehr locker. Und das, obwohl doch extra Zuhörer da waren, DAMIT sie ein bisschen nervös sind. Also wenn, dann hat man es ihnen zumindest nicht angemerkt.
Dän erwähnte wieder, dass er hier normalerweise eine längere Ansage machen würde. Er erzählte nur, dass das folgende Lied von Eddi und Erik stamme und sie geschlagene zwei Jahre daran gearbeitet hätten. Eddis Lachen darauf weckte in mir die Vermutung, dass er vielleicht ein bisschen übertrieb.
Es folgte "Lass die Sonne scheinen", ein funkiges gute Laune-Lied, das vor allem durch die besonders hohen Passagen, die Nils singt, ein ganz neues Wise Guys Feeling herüber bringt. Dass sie nun einen reinen Tenor in der Gruppe haben, eröffnet ohnehin ganz neue Möglichkeiten. Die neue Lichtshow war mit rotem und orangenen Licht sehr passend und versetzte einen ein bisschen in Urlaubsstimmung. Wo wir wieder beim Thema Palmen und Sonne wären.
Es folgte die erste Pause, bei der Erik Sohn auf die Bühne kam und sich mit den Wise Guys zusammenstellte, um zu diskutieren. Leider waren die Mikrofone in der Zeit ausgeschaltet, sodass wir nichts hören konnten. Andererseits bewunderte ich es eh schon, dass die Wise Guys sich nicht zu schade waren, sich vor ihren Fans kritisieren zu lassen und damit an "Perfektheit" einzubüßen. Hätten wir auch noch gehört, was gesagt wurde, wäre es wohl zu weit gegangen. Außerdem bin ich mir nicht mal sicher, ob ich überhaupt verstanden hätte, was ich gehört hätte. Für mich klangen die Lieder eh alle toll.
Dän kündigte danach an, dass sie "Lass die Sonne scheinen", noch einmal singen würden, was mich sehr freute. Das hätten sie auch noch ein drittes Mal singen können. "Nun kommt ein Lied, dass Eddi in einer halben Stunde hingerotzt hat." Ich hörte zwar keine Unterschiede zum vorigen Mal, aber Erik schien zufrieden zu sein. Und wenn Erik glücklich ist, dann sind die Wise Guys glücklich. Und wenn die Wise Guys glücklich sind, dann sind es die Fans.
Ohne Ansage ging es weiter mit "Sorge dich nicht.", einer Ballade, bei der Eddi einem anderen Menschen das Versprechen gibt, immer für ihn da zu sein. Hat mich leider nicht ganz so gepackt, wie ich es vom Text her erwartet hätte. Für mich ist der Hintergrund, also die Melodie, zu unruhig. Vielleicht muss ich es aber auch mehrfach hören, um richtig hineinzukommen.
Obwohl Dän wieder ankündigte, keine Ansage zu machen, erklärte er einleitend zum folgenden Lied, dass er häuftig Emails bekomme, in denen er gebeten würde, einmal ein Lied über ein bestimmtes Thema zu schreiben. So sei es auch in diesem Fall gewesen. Ein Mädchen bat ihn, doch einmal ein Lied über ein Kind zu schreiben, dessen Eltern sich getrennt hatten. Er antwortete, dass er das nicht könne, weil er diese Erfahrung (zum Glück) nie selbst gemacht hatte, bat sie aber gleichzeitig, doch einmal ein paar Gedanken aufzuschreiben. Das tat sie und diese Gedanken bewegten ihn so sehr, dass er sich noch am selben Tag daran machte, ein Lied zu verfassen, das in der dritten Person, also aus Sicht des Mädchens, geschrieben war und deshalb auch ihren Namen trug: "Lisa."
Obwohl ich wusste, was mich erwartet, berührte mich das Lied doch tief. Ich bin selbst Scheidungskind. Die Beschreibungen sind so treffend und die Worte so gut gewählt, dass es einen wirklich nachdenklich macht. Am meisten getroffen hat mich der Satz "Lisa weint", der am Ende des Liedes gesteigert wird zu "Lisa weint allein." Ein tolles Lied. Wenn auch immer noch sehr ungewöhnlich für eine Band wie die Wise Guys. Das ist ein bisschen so, wie wenn Eminem ein Lied über das Für und Wider von Abtreibung philosophieren würde. Ich hätte nicht gedacht, dass sie es auch im Liveprogramm singen würden. Vor allem gleich zwei Balladen hintereinader, das war schon harter Tobak.
Eddi übernahm mit einer Aussage, die langsam zum Programm wurde: "Normalerweise würde ich jetzt ein bisschen länger erzählen, aber ich kürze das hier ab. Das nächste Lied ist eins der wenigen, in denen Ferenc die Hauptstimme singen darf und da stellt sich für uns immer die Frage, wer dann den Bass macht. Aber das macht dann natürlich der, der am tiefsten runter kommt." Um sich zu bestätigen hob er seinen großen Handsender und bezog die einsame Position des Basses auf der anderen Seite der Bühne. Sie sangen die ersten Töne, dann brachen sie plötzlich ab und ich dachte: "War da was falsch?", dann gingen sie alle unabgesprochen nach vorne und sangen die letzten Töne des Liedes. Das Licht ging aus. Kurze ratlose Stille, dann schüchterner Applaus. Für 20 Sekunden Lied. Das nenne ich mal bedingungslose Hingabe.
Dän erklärte, dass sie die Lieder, die sie gut konnten, nur kurz ansingen würden, um die Reihenfolge zu üben und für die Techniker und für den Mann, der die Kameraführung für die Leinwände bei der Spezialnacht übernahm. Es wurde erneut für eine kurze Besprechung unterbrochen. Anschließend moderierte er "Das ist der Hammer" an mit den Worten, dass sie dabei an das Gefühl dachten, dass sie nach dem rundum perfekten Konzert beim Kirchentag '09 in Bremen erlebt hatten. Uns stünde es aber durchaus frei, es auf etwas anderes zu beziehen.
Das Lied überraschte mich, weil es trotz des starken Textes von der Melodie nicht so energiegeladen war, wie erwartet. Ich hätte mir eher gewünscht, dass Latein und Das ist der Hammer die Melodie tauschen. Aber mich fragt ja niemand :-) Besonders stark in dem Lied sind die sehr lauten, kräftigen Zwischenteile, die mit passendem Diskolicht untermauert sind.
Ohne Überleitung folgte ein weiteres kräftiges Lied und das erste, das nicht vom neuen Album ist: "Alles in die Luft." Auch hier sangen sie gerade mal die Einleitung und trotz der kurzen Zeit geschah eine Panne: Eddi rutschte bei der Titanic-Szene nach hinten weg, Sari fing ihn auf und umklammerte ihn in gespielter Panik von hinten. Danach verfielen sie in eine kurze Diskussion darüber, wie das denn jetzt passieren konnte und warum es sonst nicht passierte. Danach simulierten sie noch die Explosion vom Ende des Liedes und ernteten wieder Applaus für Nichts. Ich versteh nicht, warum meine Freunde sagen, ich sei leicht zu begeistern.
"Mitsommernacht bei Ikea" wurde auch nach dem gleichen Schema nur angesungen. Lustig zu sehen, dass sie am Ende nicht ganz einig waren, einer einfach mal mit irgendeinem Teil des Endakkords anfing und die anderen aber sofort einsteigen konnten. Bei "Wo der Pfeffer wächst" waren wir es, die die ersten zwei Zeilen sangen, die dritte dann alleine, weil die Wise Guys mit der Melodie schon aufgehört hatten.
"Schlechtes Karma" sangen sie dann sehr zu meiner Freude nochmal ganz durch. Zum ersten Mal passierte hierbei das, was ich schon länger erwartet hatte: Als Eddi und Nils rückwärts aufeinander zugingen, prallten sie nicht gegeneinander, sondern verpassten sich, was sowohl das Publikum als auch sie selbst zum Lachen brachte. Allerdings fingen sie sich- ganz Profi- schnell wieder und zogen das Lied durch.
Dän sagte, dass hier im richtigen Konzert jetzt die Pause folgte und dass auch sie jetzt eine Viertel Stunde Pause machen würden, weil sie sich umziehen müssten.
In der Pause tauschte ich mich mit anderen über meine ersten Eindrücke aus und warf auch einen Blick auf die Setliste, die mir sowohl Begeisterung als auch Bewunderung entlockte, aber ich will ja nichts vorweg nehmen.
Zeit für eine Zwischenbilanz:
1. Es sind verdammt viele neue Lieder im neuen Programm. Ich erinnere mich noch gut daran, dass bei der Premiere von "Frei!" nur vier Lieder brandneu waren.
2 .Es gibt viele Lieder, bei denen es nicht mehr nur eine Hauptstimme gibt. Bei vielen wechselt sie zwischen Strophe und Refrain ab oder es singen zwei gleichzeitig.
3 .Die Wise Guys haben einen neuen Stil. Sie sind irgendwie jünger.
4. Palmen, Wellen und Sonne (nur, um es noch einmal erwähnt zu haben. Je häufiger ich es suggeriere, desto mehr Zuschauer werden das nach Lesen meines Berichtes genauso sehen!)
-- Zweite Hälfte --
Als dann wieder die Lichter ausgingen und schlagartig Stille einkehrte, war ich gespannt darauf, wie das Outfit der zweiten Hälfte wohl aussehen würde. In dem Halbdunkel erkannte ich nur die Schatten der fünf Gestalten, die sich nebeneinander auf der Bühne aufstellten. Außen standen Dän und Ferenc, das erkannte ich an ihrer Figur. In der Mitte stand Eddi und neben ihm... Trugen die beiden Kapuzen? Während ich noch den Schock verdaute, dass ein zu "Schlechtes Karma" passendes Checkeroutfit an Stelle der schicken Anzüge getreten war, trat Eddi vor: "Meine Damen und Herren, Brüder und Schwestern...", begann er förmlich und kündigte an, dass im Folgenden Hamlet präsentiert würde, aber nicht von irgendjemand, sondern von den Newcomern der deutschen HipHopSzene. Erst trat Nils vor und machte eine Checkergeste, dann verschränkte er cool die Arme vor der Brust. Er erntete Szenenapplaus, dann präsentierte Eddi Sari, dem man mit dem Kapuzenpulli den Hiphopper wirklich abnahm. Das Publikum applaudierte auch hier und schaute mit großen ungläubigen Augen zu der Szene, die sich dort bot. Nils und Sari als Rapper? Zu einem von Shakespears anspruchsvollsten Stücken? Was dann kam, war an Genialität kaum noch zu übertreffen. Sari rappte- als hätte er noch nie etwas anderes getan- und erzählte die Geschichte von Hamlet, allerdings in typischem HipHop-Slang. Dass Sari ein bisschen Rappen kann, hat er ja bereits in Szenen von anderen Stücken bewiesen, aber das da kam so lässig und authentisch daher, dass es einfach nur toll war. Nils sang immer den Refrain, so wie das bei den richtigen Rappern immer die Frauen machen. Bei Oli P zum Beispiel. Das Lied erntete einen extralangen Applaus, bei dessen Lautstärke man fast hätte vergessen können, dass da nur fünfzig Leute saßen.
Nils und Sari verschwanden kurz hinter der Bühne, um ihre Rapperpullis abzulegen. Nun konnte ich die neuen Outfits in voller Pracht bestaunen. Obwohl bestaunen viel gesagt ist, sie waren ziemlich unspektakulär. Keine schwarzen Anzüge mehr, sondern einfach schwarze Klamotten, manche etwas schicker, wie Eddi oder Sari (mit T-Shirt und Krawatte). Nils trug, in meinen Augen recht unpassend zum Rest, eine Lederjacke ein T-Shirt mit buntem Aufdruck, er sah aus wie ein Möchegernrocker.
Sari trat vor und erklärte, dass er gemerkt hätte, dass die Stelle, wenn er sich mit Nils einen Scheinwerfer teilte (Mike schaltete besagten Scheinwerfer an und Nils trat demonstrativ zu Sari und machte sich breit) ihn zu sehr einschränken würde. Rapper würden sich ja viel auf der Bühne bewegen und ob es da nicht besser sei, die äußeren Scheinwerfer auch noch anzumachen. Das wurde dann auch gleich ausprobiert. Sie verließen noch einmal die Bühne, Sari und Nils zogen die Rapperpullis über und sie wiederholten das Lied noch einmal, diesmal mit mehr Licht.
Es folgte "Mit besten Grüßen", obwohl Nils rein optisch so gar nicht zu dem Lied passte. Naja, bei DER Stimme vergisst man gerne mal unwichtige Äußerlichkeiten.
Dän erzählte kurz, dass sie jetzt noch ganz schnell ein Lied singen würden, bevor die Gerüchte über die Trennung von Brangelina Tatsache wurden. "Es ist nicht immer leicht" wurde allerdings auch nur angesungen.
Bei "Jetzt und hier" stand das Publikum dann auch erstmals auf und feierte mit. Sari, Nils und Eddi sprangen plötzlich von der Bühne, machten vor unserer Nase ein bisschen Party und rannten dann die Gänge entlang.
Im Flugzeug wurde leider wieder nur angesungen und "ausgesungen". Es gab ein paar enttäuschte "Ooooh"s und einen größeren Applaus, als man für 10 Sekunden Singen beziehungsweise Zischen verdient hätte.
Ohne Moderation ging es zu "Latein", auf das ich besonders gespannt war, seit ich in der Setlist gesehen hatte, dass es gesungen wird. (Jetzt stellt euch mal vor, das hätte ich eben schon verraten, da wäre doch die ganze Spannung weg). Ich hätte nicht gedacht, dass sie es überhaupt Live singen würden, dadurch, dass ich das ganze Lied dank der Radiosendung (dafür zahlt man dann doch gerne Gebühren!) schon sehr gut kenne. Es wurde in der CD-Version mit sehr vielen Stimmen aufgenommen und lebt, da es textlich eher schwach und unspektakulär ist, von dem Rhythmus und der Kraft dahinter. Okay, es fehlte ein bisschen etwas, aber es kann sich live durchaus sehen lassen. Das merkte ich vor allem an denjenigen, die das Lied eben noch nicht kannten und den Vergleich zur Studioversion nicht ziehen konnten, denn die waren ziemlich begeistert.
Dän leitete zu dem nächsten Lied über, indem er noch einmal auf die Emails zu sprechen kam, die ihn oft erreichten bezüglich Themenvorschlägen. Viele bemängelten, dass immer nur Lieder über frische und glückliche Beziehungen geschrieben würden und nie eines über eine Beziehung, die schon sehr lange bestünde. Das habe er sich zu Herzen genommen, und so sei "Wir Zwei" entstanden.
Nils singt dieses peppige Lied, das für mich ganz typisch Wise Guys ist. Ähnlich wie "Du kannst nicht alles haben", vergleicht es in aufzählendem Stil eine Beziehung mit ganz tollen Dingen, bei denen aber das Wesentliche fehlt (z.B. Hollywood ohne Skandale, Chillieintopf ohne Bohnen, ein Luxushotel ohne Betten). Es hat eine witzige Pointe, die dem Lied noch eine kleine Wendung gibt und kommt so frisch fröhlich daher, dass man es gerne hört.
Von "Schiller" bekamen wir wieder nur das erste Zischen und Jaulen und das letzte fiese Lachen von Ferenc zu hören.
Dann kam ein Lied, das mich gleich doppelt überraschte. Erstens durch die Tatsache, dass es im Konzertteil kam und zweitens... Naja. Also es kam "Jetzt ist Sommer." Wir sprangen auf und klatschten mit, als plötzlich fünf sehr junge Frauen auf die Bühne sprangen. Alle waren so überrascht, dass das Klatschen tatsächlich für einige Takte aussetzte. Ich schätze die Mädchen so um die 18, sie trugen Hosen so kurz, dass sie gerade mal die Hüfte bedeckten und T-Shirts so kurz, dass man den gesamten Bauch sah. Sie tanzten eine nette Choreographie zu Sommer, flirteten mit den Wise Guys und strahlten in jugendlicher Frische. Wie das wirkte, das lasse ich jetzt mal unkommentiert. Vielleicht haben meine Worte bei euch schon einige Assoziationen freigesetzt.
Die Mädchen, die sich Ladybugs nannten, verneigten sich und verschwanden von der Bühne. Dän erzählt, dass es nun schon zum letzten Lied des Konzertteils käme. "Das Lied heißt...", er starrte kurz nachdenklich auf die Setlist am Boden, dann zu den anderen, die gerade um die Tische standen und etwas tranken. "Ich sollte noch etwas trinken..", er machte eine kurze Pause "Was wirklich ein merkwürdiger Titel für einen Song ist. Nun kommt also: Ich sollte noch etwas trinken. Von den Wise Guys!
"Am Ende des Tages" ist eine ruhige und nachdenkliche Ballade, bei der man mitträumen kann.
Dän erklärte, dass sie nun anderthalb Stunden Mittagspause machten und wies noch darauf hin, wo man sich in der Nähe etwas Essbares kaufen konnte.
Ich nutzte die Pause, um mit vier anderen in den Hürth Park zu fahren und dort einen leckeren Döner zu essen, dabei unterhielten wir uns angeregt über unsere Eindrücke. Hier Zwischenbilanz Nummer Zwei:
1. So eine Probe ist eine total tolle Erfahrung. Manchmal vergessen die Wise Guys in ihren Diskussionen, dass das Publikum überhaupt da ist. Während ich zugeschaut habe, hatte ich manchmal selbst das Gefühl, gar nicht anwesend zu sein. Im wahrsten Sinne des Wortes "Mäusschen zu spielen". Unbemerkt und klein. Und das war total toll.
2. Die gewollte Verjüngungskur der Wise Guys kommt nicht bei allen gut an
3. Die Wise Guys haben in vielen ihrer Lieder einen ganz neuen Stil entdeckt. Entweder man mag ihn, oder eben nicht.
4. Es sind auch wieder ein paar Lieder dabei, die ganz typisch Wise Guys sind
5. Die Lieder werden im Allgemeinen ernster und versuchen dazu anzuregen, das Beste aus seinem Leben oder Situationen zu machen, witzige/alberne Lieder werden weniger
-- Mitsingteil--
Der Mitsingteil begann gleich mit 2 (3) Liedern, die nie auf CD erschienen waren, von denen die Textkenntnis aber anscheinend dennoch vorausgesetzt wurde. (Youtube?). Zum einen Moin. Nils begann mit den ersten Tönen und setzte dann zu dem Ton an, den er so lange hielt. Und er hielt ihn diesmal noch länger, als sonst. Die anderen verlängerten dementsprechend auch etwas verwirrt das Intro (was ein bisschen an "Nur für dich" erinnerte). Nils hielt den Ton bestimmt doppelt so lange wie sonst, obwohl ich es sonst schon sehr lange finde. Er muss wohl wirklich Kiemenatmung betreiben. Oder er wollte ganz einfach damit angeben, wie lange er den Ton doch halten kann. Ganz plötzlich brach er mit einem Husten ab und japste dann nach Luft. Die anderen unterbrachen sich ebenfalls und begannen zu lachen. "Atmen, aaatmen", rief Nils lachend. Dann stellten sie sich in einer Reihe auf, Nils streckte den Arm nach oben und rief "MOIN!". Damit war das Lied beendet. Sollte ja nach der langen Zeit auch gut genug sitzen, dass sie es nicht noch einmal proben müssen. Es sang übrigens niemand mit. Vielleicht, weil nur so wenige da waren oder weil es die konzentrierten Proben auch gestört hätte. Schließlich war es ja wichtig, dass sie sich selbst hören konnten.
"Herzlich Willkommen zum Mitsingteil", spaßte Dän und wurde dann sofort ernst. "Meine Damen und Herren, hören Sie nun die traurige und tragische Geschichte vom Mann, der alles Zweimal machte." Obwohl es das Lied nicht auf die CD geschafft hat, höre ich es live doch sehr gerne. Dän kündigte es auch ein zweites Mal an, diesmal brachen sie es jedoch wieder nach dem Intro ab. Eddi diskutierte kurz mit Dän, ob sie es bei der Spezialnacht denn dann ganz singen würden und sie kamen zu dem Schluss, dass sie es tun würden.
Es folgte ein "du du dudududuuu", dass mir sofort bekannt vorkam. Und nicht nur mir, bei allen fiel sofort der Groschen und es wurde zweimal geklatscht. Ich freute mich sehr über "Du kannst nicht alles haben.", bei dem niemand, also wirklich NIEMAND, bei der Pianostelle klatschte. Dän kommentierte mittlerweile nur noch, dass er jetzt eine Ansage hätte. Ob er das für sich tat oder für die Techniker oder den Kameraführer, das wusste ich nicht. Oft stand er minutenlang da, rieb sich nachdenklich das Kinn und starrte die Setlist an. "Denglisch" wurde auch nur kurz angesungen, allerdings dreimal, weil irgendetwas mit der Intonation von Sari und Eddi nicht stimmte. (Ich hörte bei den drei Versuchen keinen Unterschied). Beim zweiten Mal beschwerte Sari sich bei Eddi: "Woah Eddi. Eben hast du Friedn gesungen und ich FriedEn. Jetzt wollte ich mich beim zweiten Mal anpassen, da singst du FriedEn." Beim dritten Mal klappte es aber dann.
Kurz bevor "Paris" beginnen sollte, stellte Dän fest, dass kein Hocker da war, was ein wenig Unruhe auslöste. Ist ja auch schrecklich, so ganz ohne Hocker, obwohl Dän sehr elegant in der Luft sitzen konnte. An der Stelle will ich übrigens erwähnen, wie toll Nils sich geschlagen hat. Für ihn waren neben den Liedern des neuen Albums auch alle Lieder und Choreographien für den Mitsingteil neu. Und er leistete sich nicht einen Fehler. Zumindest ist mir keiner aufgefallen. Hut ab!
Als die ersten Töne des folgenden Liedes erklangen, setzte mein Herz einen Schlag lang aus. Ich hatte es schon auf der Setlist gelesen und schon vor mich hin geträumt, bevor ich es überhaupt gehört hatte. Nils durfte sich an ein weiteres Lied von Clemens heranwagen: "Das wärs gewesen."
Die ersten Töne erklangen und ich floss fast von meinem Stuhl. Das Lied hat eine ganz besondere Bedeutung für mich. Da brachen sie plötzlich ab und Erik kam auf die Bühne zu einer weiteren Besprechung.
Was?! Sie würden das ja wohl singen! Nils musste das üben! Ich würde nicht gehen, bevor sie es nicht doch noch gesungen hatten. Ich versuchte es mit Telepathie. Starrte Nils Rücken an und sagte in Gedanken immer wieder "Das wär's gewesen, das wär's gewesen!"
Erik verschwand wieder von der Bühne und sie stellten sich erneut auf. "Das singen wir jetzt aus probetechnischen Gründen.", erklärte Dän. Dann, und ich rutschte noch tiefer in meinen Stuhl, sangen sie es wirklich: Das wär's gewesen.
Es klingt mit Nils' gigantischer Stimme einfach so wunderschön, dass ich mir wünschte, es hätte noch fünf Stophen mehr. Was ich allerdings schade fand, und ich hoffe, dass es nur an der lockeren Probenatmosphäre lag, war, dass Nils nicht die Emotion transportiert hat, die das Lied eigentlich hat. Er konnte den Sunnyboy nicht vollständig ablegen. Zwar grinste er nicht, aber er wirkte noch zu gut gelaunt. Hoffentlich wird das beim "Original" dann besser.
"Relativ" und "Quäl dich fit" wurden auch nur angedeutet, dafür wurde der Tekkno, sehr zur Freude aller Anwesenden, ganz gesungen. An der Stelle wunderte ich mich ein wenig über die Liedauswahl. Ein tolles Lied zum Mitsingen war der "Tekkno" ja nun nicht. "Sonnencremeküsse" dafür schon. Ebenso wie "Mädchen lach doch mal", das wieder von den Ladybugs unterstützt wurde. Der Endteil musste drei Mal gesungen werden, weil die Choreographie gemeinsam mit den Mädchen nicht ganz stimmte. Danach gab es eine Besprechung von Erik mit den Wise Guys und den Ladybugs, die sehr lange dauerte.
"King of the Road" hielt einen weiteren Lacher bereit, als Ferenc nicht den falschen Reim "Das Auto ist die Waffe des kleinen Manns, je größer der Wagen, desto kleiner das Ego" sang, sondern richtig reimte. Das Publikum lachte auf. Ferenc fragte uns hinterher, ob er das im Konzert auch machen solle oder ob das blöd käme. Er ließ sich von den eingeworfenen Argumenten aber nicht auf eine Seite ziehen und beschloss, es spontan zu entscheiden. Ich bin gespannt!
Es folgte ein Schnelldurchlauf von "Ich liebe sie dafür" (zum Mitsingen..) und Radio. Man merkte, dass sie so langsam zum Schluss kommen wollten. Die Lieder, die aber vor allem für Nils ganz neu waren, wurden durchgesungen, wie zum Beispiel das folgende "Ohne dich." Angels wurde wieder übersprungen, obwohl ich das so gerne gehört hätte. Es folgte die Bahn kommt, das so schön ist wie eh und je. Bei den ersten Tönen von "Du gehst mir nicht mehr aus dem Kopf" sah ich schon ein dünnes Bein hinter dem Vorhang hervor lugen. Und tatsächlich. Die Ladybugs kehrten auf die Bühne zurück und vollführten mit Sari und den anderen eine raffinierte Choreographie, bei der viel mit Blicken geflirtet wurde. Wie immer nach dem Auftritt der Tänzerinnen, gab es eine längere Diskussion als sonst und auch hier wurde das Ende des Liedes noch zwei Mal geprobt.
Mit "Sonnenschein" und "Powerfrau" wurde uns danach nur wieder der Mund wässerig gemacht. Mad World durften wir dafür ganz genießen. Bei Seemann sang Ferenc das "Hohoho" am Anfang, dann stellten sich Nils, Dän und Sari zum Salutieren am Ende auf, nur Eddi dachte irgendwie nicht daran und stand Mitten in der Reihe ganz normal, was ziemlich lustig aussah. Als wir lachten, schaute er sich verwirrt zu seinen Kollegen um, die stocksteif dastanden, bis Eddi sich ihnen endlich anschloss.
Bei "Ruf doch mal an" kamen die Ladybugs erneut dazu, diesmal von hinten aus dem Publikum. Sie tanzten ein wenig vor der Bühne und sprangen dann darauf, um mit den Wise Guys zusammen zu tanzen. Danach gab es eine erneute zehnminütige Besprechung. Dän bat uns danach noch einmal ausdrücklich, nichts zu verraten, vor allem nichts über die Tänzerinnen. Denn es gäbe viele Menschen, die gerne meckerten und urteilten, auch bevor sie etwas gesehen hatten. Und viele davon seien Wise Guys Fans. Sie sollten wenigstens meckern, NACHDEM sie es gesehen hatten. Er erklärte, dass sie jetzt an sich durch seien aber noch die Zugaben proben würden und dass wir gehen könnten, wenn wir wollten. Der Bitte kam aber niemand nach.
Als erste Zugabe kam "Was für eine Nacht". Finde ich sehr passend nach dem tollen Konzert, das uns am Samstag erwarten würde.
Die zweite Zugabe bestand aus den ersten Tönen von Sing Mal wieder, die aber sofort zu dem Rhythmus heruntergefahren wurden, bei dem Eddi das Publikum mitsingen lässt. Er ließ uns zweimal "Ohoooo" singen, dann brachen sie das Lied wieder ab. Sing mal wieder als Zugabe ist sicher spannend. Sieht aber so aus, als sei es aus dem festen Programm endgültig rausgeflogen.
Das letzte Lied des Nachmittages war "Wir hatten eine gute Zeit", traurig und schön wie immer.
Als das Saalicht anging, blickte ich noch ein letztes Mal auf die Palmen, die Wellen und den Sonnenuntergang, bevor ich die Halle mit dem guten Gefühl verließ, dass es ein super Album und eine super Tour werden würde.
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Vielen, vielen Dank für den tollen Bericht, Faenchen! 
Da hat man beim Lesen das Gefühl man wäre live dabei gewesen! Freu mich nun umso mehr auf die Spezialnacht in Kiel, wenn ich die Jungs das nächste Mal live im Konzert hören und sehen kann! 
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Von mir auch ganz vielen Dank für den tollen Bericht!
Ich war leider erst ab der Mittagspause da, und hab es somit dank Schule geschafft, alle neuen Lieder zu verpassen, aber egal^^
Auch volle Zustimmung zu den Kommentaren.
Nix gegen die Mädchen, aber auf solche Tanzeinlagen kann ich bei einem Wise Guys Konzert auch dankend verzichten, und dabei hab ich "Jetzt ist Sommer" ja nicht mal gesehen, was wohl am Krassesten war 
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Faenchen schrieb:
.... sangen sie es wirklich: Das wär's gewesen.
Es klingt mit Nils' gigantischer Stimme einfach so wunderschön, dass ich mir wünschte, es hätte noch fünf Stophen mehr. Was ich allerdings schade fand, und ich hoffe, dass es nur an der lockeren Probenatmosphäre lag, war, dass Nils nicht die Emotion transportiert hat, die das Lied eigentlich hat. Er konnte den Sunnyboy nicht vollständig ablegen. Zwar grinste er nicht, aber er wirkte noch zu gut gelaunt. Hoffentlich wird das beim "Original" dann besser.
Das stimmt, seine Augen haben nach wie vor "gelacht" 
Allerdings fand ich es gut, das Nils nicht versucht hat Clemens zu imitieren, sondern es auf seine Art zu singen. Alles ander würde man ihm -glaube ich- auch nicht abnehmen! 

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Hallo Faenchen,toller Bericht, vielen Dank für die Mühe!!!
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Danke für den schönen Bericht.
Da würde man gerne näher an Köln wohnen. 
Ich hoffe aber, dass "Sing mal wieder" sich wenigstens als Zugabe noch eine Weile in den Konzerten hält.

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